Die Entstehung des Schachspiels
10.04.2005 - von Karlheinz GerholdObwohl zahlreiche Legenden über die Entstehung des Schachs berichten, liegen seine tatsächlichen Anfänge im Dunkeln. Die Schachhistoriker gehen davon aus, dass das Schachspiel seinen Ursprung im Bereich der Seidenstraße hat und sich in Indien aus Vorläuferspielen (Jagdspiel: Wer den König matt setzt, gewinnt; Rennspiel: Erreicht ein Bauer die achte Reihe, wandelt er sich um) über einen längeren Zeitraum entwickelt hat.
In Manfred van Fonderns Lexikon für Schachfreunde lesen wir über die Geschichte des Schach:
Als Vorlage soll die Nachbildung einer Schlacht zweier altindischer Heere gedient haben. Es sollte ein friedlicher Wettstreit mit gleichen Chancen sein. Das Schachbrett bildet die Dimension des Raumes. Die Figuren Zeichen der Kraft und Träger der Handlung waren dem indischen Heer entlehnt: Fußsoldaten, Reiter, Elefanten und Streitwagen. Das dritte Element neben Raum war die Zeit. Sie wurde durch den Zug gemessen.
Das S. trug in Indien den Namen Tschaturanga
(wörtlich übersetzt: vier Teile), genau wie das indische
Heer. Das
Spiel war tief in den religiösen Auffassungen der Inder verankert.
Viele indische Tempel sind auf der architektonischen Grundlage des
Schachbrettes (auf dem Quadrat 8 x 8) erbaut worden. Die Zahl 8 ist
das Symbol für die Unendlichkeit in der Mathematik. 8 x 8 Felder
besitzt das Schachbrett; das Heer setzt sich zusammen aus 8 Figuren und
8 Bauern (=Fußsoldaten). 8 Felder beherrschen der König und
die
Springer. Als erster erwähnt der indische Dichter Bana im
7. Jh.
das Schach. In veränderter Form gelangte das Spiel nach China,
Indonesien und Burma; vielleicht durch Handelsreisende nach
Rußland.
Die Araber bereicherten das S. um neue Gedanken. Von 850 bis 1500 wird Schach in der arabisch-islamischen Welt mit großer Leidenschaft gespielt. Die bekanntesten arabischen Schachmeister (Al-Ad-li, um 850; Ar-Razi; As-Suli, 946; Al-Lajlaj, 970) waren auch hervorragende Schriftsteller. Das Schach dieser Zeit, als Ar-Razi am Hof des Kalifen Al-Mutawakkil Al-Adli besiegte, unterschied sich von der heutigen Form.
Die Bezeichnung Schachmatt stammt aus der persischen Sprache, wo shah >>König<< und mát >>hilflos<< bedeutet. Den Begriff >>Schach<< haben verschiedene Völker als Name des Spiels gewählt: chess im Englischen, scacchi im Italienischen und échecs im Französischen. Vor dem Jahr 848 kannte das maurische Spanien schon das S. Zwei Urkunden aus den Jahren 1010 und 1058, in denen der Kirche wertvolle Spiele vermacht werden, geben darüber Aufschluß. In Europa wandelte sich die Gangart der Figuren. Der Läufer, früher Fil, der anfangs ins dritte Feld seiner Farbe sprang, durfte nun die ganze Diagonale seiner Farbe besetzen. Die schwächste aller Figuren, der Fers, änderte auch ihre Gangart und hieß fortan Dame. Diese Neuerung war von entscheidender Bedeutung. Schon im Buch vom Schach-, Würfel- und Brettspiel (1283) von Alfonso X. wird der Doppelschritt des Bauern erwähnt. Etwa um 1600 wurde die Rochade eingeführt, so daß damit die Gangart der Figuren dem heutigen S. entsprach.
Die Araber bereicherten das S. um neue Gedanken. Von 850 bis 1500 wird Schach in der arabisch-islamischen Welt mit großer Leidenschaft gespielt. Die bekanntesten arabischen Schachmeister (Al-Ad-li, um 850; Ar-Razi; As-Suli, 946; Al-Lajlaj, 970) waren auch hervorragende Schriftsteller. Das Schach dieser Zeit, als Ar-Razi am Hof des Kalifen Al-Mutawakkil Al-Adli besiegte, unterschied sich von der heutigen Form.
Die Bezeichnung Schachmatt stammt aus der persischen Sprache, wo shah >>König<< und mát >>hilflos<< bedeutet. Den Begriff >>Schach<< haben verschiedene Völker als Name des Spiels gewählt: chess im Englischen, scacchi im Italienischen und échecs im Französischen. Vor dem Jahr 848 kannte das maurische Spanien schon das S. Zwei Urkunden aus den Jahren 1010 und 1058, in denen der Kirche wertvolle Spiele vermacht werden, geben darüber Aufschluß. In Europa wandelte sich die Gangart der Figuren. Der Läufer, früher Fil, der anfangs ins dritte Feld seiner Farbe sprang, durfte nun die ganze Diagonale seiner Farbe besetzen. Die schwächste aller Figuren, der Fers, änderte auch ihre Gangart und hieß fortan Dame. Diese Neuerung war von entscheidender Bedeutung. Schon im Buch vom Schach-, Würfel- und Brettspiel (1283) von Alfonso X. wird der Doppelschritt des Bauern erwähnt. Etwa um 1600 wurde die Rochade eingeführt, so daß damit die Gangart der Figuren dem heutigen S. entsprach.
Eine schöne Legende von der Entstehung des Schachspiels beschrieb der Perser Ibn Khallikan (1211-1282) im 13. Jahrhundert:
Unter dem indischen
Herrscher Shihram
geriet das Land in Not und Elend. Um die Aufmerksamkeit des
Königs
ohne seinen Zorn zu entflammen auf seine Fehler zu lenken, schuf
der
weise Brahmane Sissa ibn Dahir ein Spiel, in dem die
wichtigste Figur, der König, ohne Hilfe anderer
Figuren und
Bauern
nichts ausrichten kann. Dies leuchtete dem König ein, und er
versprach
dem Weisen jede Belohnung, die dieser verlangen würde. Dem weisen
Sissa
bot sich eine gute Gelegenheit, dem hochmütigen Herrscher noch
einmal
eine Lehre zu erteilen, diesmal eine Lehre der Bescheidenheit. Er
wünschte sich folgende Menge Weizen: für das erste Feld des
Schachbretts ein Korn, für das zweite zwei Körner, für
das dritte die
doppelte Menge, also 2² = 4 Körner, für das vierte
wieder die doppelte
Menge, also 2³ = 8 Körner usw. Der König war
zunächst erbost über die
vermeintliche Bescheidenheit. Schließlich stimmte er zu und
freute
sich, daß er mit solch niedrigem Preis seine Schuld tilgen
konnte. Bald
verkündete der Vorsteher der Kornkammer, daß es so viel
Weizen im
ganzen Reich nicht gäbe. Wie später berechnet wurde, betrug
die Summe
aller 64 Felder 18446744073709551615 Körner (18 Trillionen,
446 Billiarden, 744 Billionen, 73 Milliarden, 709 Millionen, 551
Tausend und 615 Körner oder 922337203685
Kubikmeter Weizen). Die Formel lautet:20+21+22+23+24...+263
oder 264-1. Um
diese Menge transportieren zu können, wären so viele Wagen
nötig, daß
sie hintereinander aufgestellt 231666mal um die Erde reichten.
Dass Schach hauptsächlich in königlichen oder Adelskreisen des Feudalismus gepflegt wurde, wird heute bezweifelt. Es war wohl schon immer auch ein Spiel des Volkes, das sich so auf hohem Niveau und äußerst vergnüglich die Zeit vertrieb.
Dass Schach hauptsächlich in königlichen oder Adelskreisen des Feudalismus gepflegt wurde, wird heute bezweifelt. Es war wohl schon immer auch ein Spiel des Volkes, das sich so auf hohem Niveau und äußerst vergnüglich die Zeit vertrieb.

